Solidarität statt Ausgrenzung – Montag, 19.08.19 ab 8 Uhr Mitbring-Frühstück vor der Hubertusstrasse 36C!

Menschenwürdiges Wohnen ist ein Grundrecht kein Privileg!

Solidarisiert euch mit den Betroffenen und kommt am Montag, den 19.08. ab 08 Uhr zum Mitbring-Frühstück vor die Hubertusstrasse 36C in Dresden Pieschen!

Ab Montag (19.08.19) sollen Menschen aus der Unterkunft für Wohnungslose in der Hubertusstrasse 36C nach Klotzsche zwangsumgesiedelt werden. Betroffen sind unter anderem Menschen mit Handicap, für die ein selbstständiges Leben und die Möglichkeit der Partizipation am Stadtrand zwischen Flughafen, Industriegebeit und Wald nicht mehr möglich ist.
Dagegen wehren sich die Betroffenen!

Anfang September 2017 gab die Stadt Dresden bekannt, dass ein neues Wohnheim für 51 wohnungslose Menschen in Dresden im Sommer 2018 eröffnet werden soll. Menschen sollten ein neues Zuhause erhalten und „ihren Alltag möglichst selbstbestimmt gestalten können”(1), so Dr. Kristin Klaudia Kaufmann von der Partei “Die Linken” in ihrer Pressemitteilung. Doch die neue Unterkunft soll in dem Objekt Zur Wetterwarte 34 eröffnet werden. Früher Außenstelle des Gymnasium Dresden Klotzsche, danach als Unterkunft für Asylsuchende geplant, allerdings nie eröffnet. Laut Stadt gab es keinen Bedarf mehr. Kaufmann führt an, dass es früher als Lazarett genutzt wurde. Damit soll also suggeriert werden, dass der Ort gut geeignet ist.

Das ehemalige Lazarett liegt inmitten eines alten Militärgeländes angrenzend an den Flughafen in Dresden-Klotzsche am Rande der Stadt. Seit dem Beginn der 1990er Jahre haben sich dort Behörden und Unternehmen angesiedelt. Kaufmann argumentiert in der Pressemitteilung, dass die dezentrale Lage gut geeignet ist.

Wenn sie damit meint, dass die Unterkunft in einem ruhigen mit Bäumen umgeben Gebiet liegt, dann ist das vielleicht zutreffend. Wenn es allerdings um die Frage der Erreichbarkeit, Möglichkeiten der Partizipation und der gewünschten Selbstständigkeit geht, dann ist diese Argumentation an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Das Gelände liegt am Ende der Stadt! Öffentliche Verkehrsmöglichkeiten sind mehr oder weniger nah und zudem nicht barrierefrei zu erreichen bzw. die Haltestellen nicht barrierefrei ausgebaut. Die nächste Einkaufmöglichkeit ist mindestens 1,5 km entfernt.

Die Unterkunft sollte vor allem Menschen, „bei denen eine Abhängigkeitserkrankung mit chronischer Mehrfachschädigung vermutet wird oder bereits festgestellt wurde“(2) einen neuen Wohnort zur Verfügung stellen. Unter diesen Menschen gibt es verschiedenste Bedürfnisse, unter anderem gibt es Menschen die Gehilfen benötigen oder im Rollstuhl sitzen, oder aufgrund ihres körperlichen Zustandes nicht gut zu Fuß sind. Bisher wohnen die von der Umsiedlung an den Stadtrand betroffenen Menschen relativ zentral in der Stadt, in der einzigen barrierefreien Unterkunft, in direkter Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichem Nahverkehr.

Letzte Woche wählte das Sozialamt ziemlich willkürlich 20 Bewohner*innen aus der Unterkunft der Hubertusstrasse 36C aus um sie nach Klotzsche zwangsumzusiedeln. Die Bewohner*innen haben bereits ihren Unmut darüber bekundet und wollen die momentane Unterkunft in der Hubertusstrasse nicht freiwillig verlassen.

Die Umsiedlung an den Stadtrand schließt Menschen von gesellschaftlicher Partizipation fast vollständig aus und isoliert sie. Dieser Umgang mit unerwünschten Menschen und sozialen Problemen ist Teil unserer Gesellschaft. So werden zum Beispiel Menschen mit Handicap, Obdachlose oder Asylsuchende an bestimmten Orten konzentriert und vom Rest der Gesellschaft separiert. Menschen werden in Heime gesteckt, weg verwaltet und so von der Gesellschaft ausgegrenzt und vor ihr versteckt. Gruppen von Menschen, die nicht ins Bild gewünschter gesellschaftlicher Normalität passen werden so strukturell ausgegrenzt.

So ist es für wohnungslose Menschen im Rollstuhl zum Beispiel sehr schwierig aus den Übergangunterkünften für wohnungslose Menschen auszuziehen, da es kaum barrierefreie Wohnungen in Dresden gibt. Der soziale Wohnungsbau, der barrierefreies Wohnen umfasst wurde in Dresden in den letzten Jahren mehr oder weniger eingestellt. Zudem werden barrierefreie Standards im Wohnungsbau kaum realisiert. Da unter dem Begriff Barrierefreit sowohl altersgerechtes also auch rollstuhlgerechtes Wohnen gefasst wird, dies allerdings unterschiedliche Anforderungen hat, werden oft nur barrierearme Wohnungen gebaut. Das Problem ist also schon ganz grundlegend und strukturell angelegt. Hinzu kommt, dass die Arbeitsweise der Ämter oft sehr langsam sind und die Wohnungen oft vergeben sind bevor das Amt die Zustimmung dafür gibt.

Doch wenn Menschen in unserer Gesellschaft nicht sichtbar sind, weil sie ausgegrenzt und versteckt werden, dann sind auch ihre Rechte nicht sichtbar und präsent auf der Straße.

Um gegen diese diskriminierenden Zustände zu protestieren und direkte Solidarität mit den von der Zwangsumsiedlung betroffenen Menschen an den Rand der Stadt zu zeigen, wird es am Montag, den 19.08.2019 ab 8 Uhr vor der Hubertusstrasse 36C ein Mitbringfrühstück geben.

Wohnen ist ein Grundrecht – kein Privileg!

Solidarität statt Ausgrenzung

(1) http://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2017/09/pm_036.php
(2) http://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2017/09/pm_036.php

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