Faust und Pfote

„Faust und Pfote“ ist ein Symbol der Tierbefreiungsbewegung. Neben der geballten Faust, als Symbol für Solidarität und Unterstützung, ist eine Pfote abgebildet, welche für die Befreiung der Tiere aus Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnissen steht. So soll zum Ausdruck gebracht werden, dass Befreiung nicht beim Menschen aufhört, sondern Tiere mitgedacht werden müssen. Das Symbol wird häufig mit Slogans wie „Für die Befreiung von Mensch und Tier“ oder „Human Liberation – Animal Liberation“ ergänzt.

Wann genau es erstmals Verwendung fand, ist nicht genau dokumentiert. Es liegt jedoch nahe, dass es Mitte der 1980er-Jahre in Deutschland entworfen wurde. In der Bundesrepublik entstanden zum damaligen Zeitpunkt erste Tierbefreiungsgruppen, deren Wurzeln nicht im Tierschutz sondern vielmehr in der radikalen Linken zu suchen sind. Eindeutig war dieser Einfluss zum Beispiel bei der 1987 gegründeten Tierrechts-Aktion-Nord (TAN) in Hamburg, die nicht nur durch ihre spektakulären und öffentlichkeitswirksamen Aktion bekannt wurde, sondern auch für ihre linksautonome Politik. So regte die Gruppe u.a. eine Auseinandersetzung mit der ‘Unitiy-of-Opression’-Theorie an. Dahinter steht die Aussage, dass Unterdrückungsmechanismen wie z.B. Sexismus, Rassismus, Klassismus und eben auch Speziesismus einander ähneln, miteinander verbunden sind und daher auch gemeinsam bekämpft werden müssen.

Durch diesen Ansatz wurden in den 1980er und 1990er-Jahren Tierrechts- und Tierbefreiungstheorien in linken Zusammenhängen zumindest diskutiert. Das Verhältnis zwischen radikaler Linken und Tierbefreiungsbewegung blieb jedoch ambivalent. Zum einen wurde in Teilen der autonomen Szene der Tierbefreiungsgedanke und das einbeziehen von Speziesismus als ideologische Verwirrung zurückgewiesen. Gleichzeitig waren die politischen Positionen der Tierrechtsbewegung zu wenig theoretisch fundiert, verwässerten zunehmend und wurden anschlussfähig an bürgerliche und gemäßigte, reformistische Positionen.

Das Symbol „Faust und Pfote“ wird heute in verschiedensten Strömungen der Tierbewegung genutzt – vom reformistischen Veganer*innen über die „Hauptsache-für-die-Tiere“-Fraktion bis zu emanzipatorischen Tierbefreier*innen. Gemein haben diese unterschiedlichen Profile, das sie am katastrophalen Mensch-Tier-Verhältnis etwas ändern wollen. Ihre Konzepte stehen sich jedoch teilweise diametral gegenüber, so das kaum von ‘einer Bewegung’ gesprochen werden kann.
Tierschutz, Tierrecht und Tierbefreiung – eine notwendige Unterscheidung

Der klassische, institutionalisierte Tierschutz beschränkt sich darauf, bestimmte Formen der Gewalt an Tieren zu problematisieren. Die Legitimität der Herrschaft vom Menschen über das Tier wird vom Tierschutz nicht per se in Frage gestellt. Forderungen sind zum Beispiel größere Käfige oder kürzere Transportzeiten von Tieren zum Schlachthof – also lediglich eine Modifizierung der Ausbeutung.

Die Grundidee des Tierrechtsgedankens basiert auf der Annahme und impliziten Forderung, dass Tiere und Menschen fundamentale Rechte haben und daher als moralisch gleichwertig betrachtet werden müssen. Grundlage für Tierrechte sind ethische Überlegungen aus denen juristische Forderungen resultieren (z.B. Verbandsklagerecht).
Während die Tierrechtsbewegung im Rahmen des bürgerlichen Staats Tierrechte einfordert, ist das Ziel der Tierbefreiungsbewegung eine befreite Gesellschaft zu schaffen in der die Ausbeutungsverhältnisse gegenüber Tieren abgeschafft sind.

Darin ist auch der Grundlegende Unterschied zwischen der Tierrechts – und der Tierbefreiungsbewegung zu sehen:
• die Tierrechtsbewegung fordert innerhalb des bestehenden Systems moralische und juristische Grundrechte für Tiere
• während die Tierbefreiungsbewegung in unserem hierarchischen Gesellschaftssystem die Basis für die Unterdrückung der Tiere sieht und dieses überwinden will

Der Begriff Tierbefreiung verweist also auf die soziale Stellung von Tieren, in der sie im übertragenen Sinn gefangen gehalten werden. Das heißt, es sind nicht nur die Käfige, sondern auch die Vorstellungen der Minderwertigkeit und die Ausbeutungsverhältnisse, aus denen sie befreit werden sollen. Mit dem Begriff ‘Befreiung’ lässt sich deutlich machen, dass eine gesellschaftliche Auseinandersetzung gesucht wird, bei der immer wieder nach einschränkenden Lebensbedingungen und der sozialen Stellung von Tieren in unserer Gesellschaft gefragt wird – mit eben dem Ziel, sie aus diesen Verhältnissen zu befreien.

Die Ablehnung von Staatlichkeit, Zentralismus und Herrschschaft zeigen die Schnittmengen der Tierbefreiungsbewegung mit dem Anarchismus. Schon früh sah ein Teil der anarchistischen Bewegung das Verhältnis des Menschen zu den Tieren als ein Herrschaftsverhältnis an – und strebte eine hierarchiefreie Beziehung an. Der Umgang mit Tieren war unter Anarchist*innen jedoch umstritten. Zwar war die Solidarität mit Tieren immer ein Teil der anarchistischen Geschichte, genauso jedoch die Abwehr dagegen.

In der modernen anarchistischen Bewegung wurde in den frühen 1980er-Jahre in England die Tierrechtsidee und die vegane Lebensweise für Teile identitätsstiftend. Anarchistische Gruppen wie „Class War“, „London Greenpeace“ oder die radikal ökologische Zeitschrift „Green Anarchist“ bezogen sich positiv auf die Ideen der Tierbefreiungsbewegung. Insbesondere die anti-hierarchische Aktionsform der Animal Liberation Front hatte zahlreiche Anhänger*innen unter Anarchist*innen. Im deutschsprachigen Raum setzte erst in den frühen 1990er-Jahren der Versuch ein, anarchistische Praxis mit der Tierbefreiungsidee zu verbinden.

Für die heute mehrheitlich autonom-anarchistisch geprägte Tierbefreiungsbewegung ist ein Zusammendenken der verschiedenen Unterdrückungs-, Ausbeutungs- und Diskriminierungsformen selbstverständlich. Dabei geht es nicht darum, dass krampfhaft nach Überschneidungen oder einem gemeinsamen Aktionsfokus gesucht wird. Wichtiger ist der Austausch und das gemeinsame sich Solidarisieren und empathisch für andere Kämpfe zu sein. Faust und Pfote!

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